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Hier finden Sie die aktuellen Presseinformationen der Deutschen Gesellschaft e. V.

 

2020

Hier finden Sie die aktuellen Presseinformationen der Deutschen Gesellschaft e. V.

 

2020

Pressemitteilung 08.07.2020

 

Orientieren, entdecken, begegnen

Bundesweites Integrationsprojekt für Geflüchtete gestartet

Orientieren, entdecken, begegnen – auf diese Schwerpunkte konzentriert sich das neue bundesweite Integrationsprojekt „Mein, dein, unser Deutschland“ der Deutschen Gesellschaft e. V. Der gemeinnützige Verein unterstützt mit diesem Projekt ab sofort Geflüchtete mit kostenfreien Bildungsangeboten.

„Wir bieten Workshops über die Bundesrepublik Deutschland und Workshops über die deutsche Zeitgeschichte mit Exkursionen zu historischen Orten“, erklärt die Projektleiterin Madeleine Petschke von der Deutschen Gesellschaft e. V. „Zudem möchten wir in örtlichen Begegnungsstätten Gesprächsrunden zwischen Geflüchteten und älteren Bürgerinnen und Bürgern durchführen.“ Bei Bedarf können die Veranstaltungen von einer Dolmetscherin oder einem Dolmetscher begleitet werden.

Wer gemeinsam mit dem Verein einen Workshop oder mehrere Veranstaltungen vor Ort realisieren möchte, kann sich jederzeit an das Projektteam wenden. „Wir freuen uns auf die Anfragen und die Zusammenarbeit“, so Petschke. Auch mögliche Einschränkungen aufgrund des Coronavirus hat der Verein bedacht: Alle Veranstaltungen können auf Wunsch online realisiert werden.

Die Deutsche Gesellschaft e. V., die ihr Jubiläum Anfang des Jahres bei einer Festveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier feierte, ist seit 1990 in der politischen Bildungsarbeit tätig. Mit seinen Projekten setzt sich der Verein für ein respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben in einem friedlichen Gemeinwesen ein. „Wir engagieren uns schon seit einigen Jahren für die Integration von Geflüchteten“, erläutert Petschke. „Bei unserem aktuellen Integrationsprojekt ‚Mein, dein, unser Deutschland‘ profitieren wir von den Erkenntnissen und Erfahrungen, die wir bei der Durchführung vorheriger Integrationsprojekte gesammelt haben.“ Dazu gehören u. a. „Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde“ in Brandenburg, „Interkulturelles Lern- und Kompetenzzentrum Sport“ in Sachsen-Anhalt, „Deutschland Navi – Deutschland Diary“ in Nordrhein-Westfalen sowie die bundesweiten Integrationsforen „Initiativen ergreifen, Erfahrungen sammeln, Perspektiven entwickeln“.

Mehr Informationen zum Integrationsprojekt „Mein, dein, unser Deutschland“ gibt es auf der Website www.mein-dein-unser-deutschland.de.

Gefördert wird das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

 

Pressemitteilung 25.06.2020

 

„Wir alle sind mehr als nur jüdisch.“

Heidelberger Online-Forum zum Antisemitismus in Deutschland

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft informierten in dem Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ über die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Heidelberg und Baden-Württemberg. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, fand die Veranstaltung ausschließlich als Online-Forum im Livestream statt. Die Aufzeichnung der drei Veranstaltungstage ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal des gemeinnützigen Vereins abrufbar.

Vielfalt jüdischen Lebens tritt nicht nur in Gestalt jüdischer Verbände zutage, sondern beginnt bereits individuell: „Wir alle sind mehr als nur jüdisch. [...] Wir sind alle mehr als nur die Markierung, die im öffentlichen Diskurs stattfindet,“ betonte Prof. Dr. Frederek Musall, stellv. Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Seine Gesprächspartnerin Adriana Altaras unterstrich in ihrem Beitrag, wie wichtig es sei, ein Bewusstsein für die Vielfalt jüdischen Lebens zu entwickeln. Es sei absolut sinnvoll, so die Schauspielerin, „über den Tellerrand zu schauen“.

Einen Beitrag zur Vernetzung bietet etwa MAKKABI Deutschland e. V. Dessen Präsident Alon Meyer erläuterte, dass die Funktion des jüdischen Turn- und Sportverbands darin bestehe, die Vielfalt in Deutschland zu erweitern: „Und dazu haben wir eben gelernt, dass Sport nicht nur ein gutes Tool ist, um jeden Einzelnen sportlich richtig zu fördern, sondern auch sozial, kulturell zu fördern.“ Ähnliche Erfahrungen schilderte Aron Schuster, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.: „Man muss Menschen aus verschiedensten Bereichen zusammenbringen, dass sie gemeinsam an Dingen arbeiten, das ist noch viel effektiver als eine einmalige Begegnung.“ Der Blick auf den Alltag jüdischer Gemeinden macht jedoch deutlich, dass Vielfalt auch Herausforderung bedeutet. Hierauf verwies Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden. Die Integration der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion stelle eine „große Herausforderung in Baden” und in anderen Regionen dar. Dies betreffe vor allem die sprachliche und religiöse Integration.

Die abschließende Gesprächsrunde richtete den Fokus auf regionale Initiativen gegen Antisemitismus. Susanne Benizri-Wedde, Leiterin des Erziehungsreferats der IRG Baden, gab zu bedenken, dass im Moment die Gefahr bestehe, dass „alles Jüdische mit Antisemitismus verbunden“ werde. Hierdurch werde alles Jüdische negativ aufgefasst. Aus diesem Grund erzähle sie, so Ricarda Theiss, Referentin bei der Beratungsstelle gegen antisemitische Gewalt und Diskriminierung OFEK Hessen, immer erst einmal über Judentum, bevor sie mit Themen zu Antisemitismus beginne: „Ich gehe oft mit den Schulklassen in einen offenen Dialog, in der keine Frage falsch ist oder falsch platziert ist.“ Für einen offenen, aber entschiedenen Umgang mit Antisemitismus sprach sich auch Klaus Ziwey, Landeskriminaldirektor des Landes Baden-Württemberg, aus: „Wir nehmen Antisemitismus wahr, wir nehmen aber Antisemitismus nicht hin.“ Sowohl der Landeskriminaldirektor, als auch Joel Crepu, Präsident des Bundes Jüdischer Studierender Baden e. V. (BJSB), verwiesen auf die gesamtgesellschaftliche Dimension von Antisemitismus. Gerade dieser Aspekt von Antisemitismus, dass es „nicht nur die Juden betrifft, sondern die ganze Gesellschaft“, wäre ihm ein sehr wichtiges Anliegen, so Crepu. Das nächste Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ findet im Oktober in Erfurt statt. Sämtliche Informationen dazu finden Sie unter www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Pressemitteilung 11.06.2020

 

„Ich will doch eigentlich nur Pianist sein.“

Hamburger Online-Forum zum Antisemitismus in Deutschland

„Achtet auf eure Sprache. Das wäre das Erste. Sprache macht Klima, Sprache macht Politik,“ lautete der eindringliche Appell des Pianisten Igor Levit gleich zu Beginn des Regionalforums Hamburg „Antisemitismus in Deutschland“. Die Deutsche Gesellschaft e. V. hatte dazu eingeladen, vom 8. bis 10. Juni im Livestream den Gesprächsrunden über jüdisches Leben, jüdische Kultur und Initiativen gegen Antisemitismus zu folgen. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, fand die Veranstaltung ausschließlich als dreiteiliges Online-Forum statt. Die Video-Aufzeichnung des Regionalforums ist auch weiterhin auf dem YouTube-Kanal des gemeinnützigen Vereins abrufbar.

Igor Levit eröffnete gemeinsam mit der Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Prof. Dr. Miriam Rürup, das Forum. „Jede Gesellschaft“, so Prof. Dr. Rürup, „produziert ihre eigenen ausgegrenzten Gruppen.“ Dies verhindere die individuelle Entfaltung von Jüdinnen und Juden in der Gesellschaft. „Ich will doch eigentlich nur Pianist sein,“ brachte Levit diese Situation aus eigener Perspektive auf den Punkt

Mit Blick auf die institutionellen Strukturen jüdischen Lebens verwies Daniel Botmann auf die Bedeutung der jüdischen Gemeinden. Diese seien „das Rückgrat der jüdischen Gemeinschaft“, so der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auch wenn die dritte nach der Schoah geborene Generation „neue Ansätze in die Verbände“ bringe, ginge es der neuen Generation „nicht darum, Mauern einzureißen“, erklärte Benjamin Fischer, der Leiter der Stabsstelle Digitale Transformation der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. „Man bringt sich in die Verbände pragmatisch und konstruktiv ein.“ Auch Monty Ott, Vorstand von Keshet Deutschland e. V., betonte diesen Ansatz in seiner Vereinstätigkeit: „Wir wollen zeigen, wie wichtig queere Perspektiven sind. [...] Und da sehe ich Gemeinden als einen wichtigen Diskursraum“. Diesen Ansatz unterstrich Dr. Karen Körber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden: „Auch wenn wir etwas verändern, lösen wir deswegen etwas nicht auf, sondern wir können nur existent bleiben, wenn wir Veränderungen zulassen.“

Initiativen auf Landes- und Regionalebene gegen Antisemitismus kamen beim Forum ebenso zur Sprache, aber auch aktuelle Herausforderungen, denen sich Politik und Gesellschaft stellen müssen, wie etwa antisemitische Verschwörungstheorien im Zuge der Corona-Pandemie. „Das Ziel ist klar, es geht um Spaltung der Gesellschaft und die Propagierung von Antisemitismus. Dieser zersetzenden Menschenfeindlichkeit setzen wir eine solidarische und offene Gesellschaft entgegen“, so Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg. Aber es sind nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch alltägliche Wissensdefizite, die eine Herausforderung darstellen: „Was den Kampf gegen Antisemitismus schwierig macht ist, dass viele die Inhalte des Judentums gar nicht kennen,“ sagte Nissar Gardi, Projektleiterin der Beratungsstelle „empower“. Dem schloss sich Philipp Stricharz, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg an: „Es wird meiner Meinung nach zu wenig Fokus daraufgelegt, wer eigentlich die Menschen sind, über die wir sprechen.“ Dies zu ändern, ist ein Ziel der Veranstaltungsreihe „Antisemitismus in Deutschland“. Die nächste Möglichkeit hierzu besteht vom 23. bis 25. Juni, ebenfalls im Livestream. Weiter Informationen erhalten Sie unter: www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Pressemitteilung 14.01.2020

 

Bundespräsident ruft zum Kampf für Freiheit und Demokratie auf

Frank-Walter Steinmeier bei der Festveranstaltung „30 Jahre Deutsche Gesellschaft e. V.“

Wenn es den Verein nicht schon gäbe, dann müsste man ihn gerade jetzt erfinden. Mit diesen Worten dankte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Deutschen Gesellschaft e. V., die mit einer Festveranstaltung in der Berliner Nikolaikirche an ihre Gründung im Januar 1990 erinnerte. Seit 30 Jahren schafft sie Räume, in denen Bürgerinnen und Bürger über politische und gesellschaftliche Fragen diskutieren können, so Steinmeier. Besonders dankbar sei er dem Verein, dass er die Erinnerung an die deutsche Diktatur- und Demokratiegeschichte wachhalte. „Denn wenn unsere Demokratie eine Zukunft haben soll, dann müssen wir auch gegen das Vergessen, das Verbiegen und Verleugnen unserer Geschichte kämpfen.“ Gerade „Erinnerung schafft ein Bewusstsein dafür, dass sich der Kampf für Freiheit und Demokratie nie erledigt hat, dass wir ihn immer wieder aufs Neue führen müssen“, sagte Steinmeier in seiner Rede in der voll besetzten Nikolaikirche.

Mehr als 250 Menschen waren in die geschichtsträchtige Kirche gekommen, in der die Deutsche Gesellschaft e. V. am 13. Januar 1990 von Bürgerrechtlern, Politikern, Schriftstellern und Künstlern und Wissenschaftlern gegründet worden war. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR, erinnerte sich in ihrer Rede an die bewegten Zeiten acht Wochen nach dem Mauerfall und acht Wochen vor den ersten freien Wahlen. Seither seien viele Projekte geglückt und Hürden überwunden worden, etwa beim Engagement für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Weiterkämpfen müsse und werde die Deutsche Gesellschaft e. V. für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, für dessen Errichtung sie seit 2005 eintritt. „Leider ist es für uns Zeitzeugen kein Ruhmesblatt, dass fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch kein Denkmal von nationalem Rang an diesen wohl schönsten und glücklichsten Moment unserer Geschichte erinnert“, so Bergmann-Pohl.

Auch Franz Müntefering kam auf die Geschichte des Vereins zu sprechen. Es sei eine „deutsche und europäische Erfolgsgeschichte“, betonte der Co-Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft e. V. „Aufeinander zugehen, zuhören, Vorurteile abbauen, miteinander Handeln – das ist es, was die Deutsche Gesellschaft in alljährlich über 700 Veranstaltungen, Begegnungen und Projekten in Deutschland und Europa macht. Wir gehören damit nicht nur zu den aktivsten überparteilichen Nichtregierungsorganisationen, sondern auch zu denen, die ihren Gründungsgedanken leben – die Förderung politischer, sozialer und kultureller Beziehungen in Europa“, so Müntefering.

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